Warum unsere Augen am Bildschirm besonders belastet werden
Immer mehr Menschen verbringen mehrere Stunden täglich vor Computer, Laptop oder Smartphone. Dabei gehört Bildschirmarbeit zu den häufigsten Auslösern trockener Augen. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und werden zunächst unterschätzt. In der Fachliteratur wird dafür zunehmend der Begriff Digital Eye Strain (DES) verwendet.
In diesem Artikel möchten wir Sie deshalb über dieses Risiko aufklären, Ihnen die Ursachen für trockene Augen durch Screens erklären und Ihnen alltagstaugliche Tipps zur Vorbeugung mit auf den Weg geben.
Warum trocknen die Augen bei der Bildschirmarbeit aus?
Der Hauptgrund für trockene Augen an PC und Co.: Beim konzentrierten Arbeiten sinkt die Lidschlagfrequenz deutlich. Das führt dazu, dass der Tränenfilm seltener gleichmäßig über die Hornhaut verteilt wird und die Tränenflüssigkeit deshalb schneller verdunstet. Zudem bleiben die Augen beim Blick auf den Bildschirm in der Regel weiter geöffnet bleiben als zum Beispiel beim Lesen eines Buches.
Darüber hinaus befinden sich an vielen Arbeitsplätzen Klimaanlagen, Heizungsluft und Ventilatoren – diese verstärken die Verdunstung zusätzlich. Auch Kontaktlinsen können zu Beschwerden mit trockenen Augen führen, indem sie die natürliche Verteilung und Stabilität des Tränenfilms beeinflussen, Feuchtigkeit aufsaugen und die Sauerstoffzufuhr zur Hornhaut verringern.
Welche Beschwerden können auftreten?
Zu den häufigsten durch lange Bildschirmarbeit verursachten Beschwerden zählen die folgenden:
- Brennende oder stechende Augen
- Trockenheits- oder Fremdkörpergefühl („Sandkorngefühl“)
- Gerötete Augen
- Tränende Augen als Reaktion auf die Trockenheit
- Verschwommenes Sehen, das sich nach dem Blinzeln kurz verbessert
- Müde oder schwere Augen
- Lichtempfindlichkeit
Zudem ist es typisch, dass die Beschwerden im Tagesverlauf zunehmen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Prinzipiell kann jeder Mensch irgendwann trockene Augen entwickeln. Es gibt jedoch ein paar Faktoren, die das Risiko dafür steigern. So sind insbesondere Menschen mit täglicher Bildschirmarbeit betroffen, ob im Büro oder im Homeoffice. Auch Kontaktlinsenträgerinnen und -träger trifft es häufiger, da die Linsen Flüssigkeit aufsaugen, die Sauerstoffzufuhr verringern und die Verteilung des Tränenfilms beim Blinzeln behindern.
Auch Personen über 50 Jahre und Frauen nach den Wechseljahren sind öfter von trockenen Augen betroffen, was an normalen Alterungsprozessen sowie hormonellen Veränderungen liegt. Ein erhöhtes Risiko für trockene Augen haben zudem Menschen mit bekannten Erkrankungen des Tränenfilms oder der Meibom-Drüsen, und die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Antihistaminika, Antidepressiva oder Betablocker) kann trockene Augen begünstigen.
5 Tipps, wie Sie bei der Bildschirmarbeit trockenen Augen vorbeugen
Tipp 1: Bewusst häufiger blinzeln
Beim Arbeiten am Bildschirm sinkt die Lidschlagfrequenz von etwa 15-20 auf häufig nur 5-7 Lidschläge pro Minute. Dabei erfüllt Blinzeln einen wichtigen Zweck: Jeder Lidschlag verteilt den Tränenfilm neu. Eine hilfreiche Maßnahme ist deswegen, mehrmals bewusst vollständig zu blinzeln. Legen Sie besonders nach längeren Konzentrationsphasen kurze „Blinzelpausen“ ein.
Tipp 2: Die 20-20-20-Regel anwenden
Schauen Sie alle 20 Minuten für etwa 20 Sekunden auf einen etwa 20 Meter entfernten Punkt. Das entspannt und fördert gleichzeitig das Blinzeln. Zudem ist es einfach in den Arbeitsalltag integrierbar.
Tipp 3: Den Bildschirm ergonomisch einstellen
Das richtige Arbeitsplatz-Setup ist das A und O: Platzieren Sie Ihren Bildschirm leicht unterhalb der Augenhöhe – dadurch sind die Augen weniger weit geöffnet und es kommt zu weniger Verdunstung des Tränenfilms. Der optimale Abstand der Augen zum Bildschirm sollte etwa 50 bis 70 Zentimeter betragen. Vermeiden Sie Blendungen durch Fenster oder Beleuchtung und stellen Sie an Ihrem Computer eine angenehm große Schriftgröße und ausreichender Kontrast ein.
Tipp 4: Für ein augenfreundliches Raumklima sorgen
Trockene Luft trocknet auch die Augen aus – so weit, so logisch. Achten Sie daher auf ausreichende Luftfeuchtigkeit (ideal sind etwa 40-60 %) und lüften Sie regelmäßig. Vermeiden Sie außerdem Zugluft durch Ventilatoren oder Klimaanlagen. Luftbefeuchter oder Zimmerpflanzen können das Raumklima deutlich verbessern, und ausreichendes Trinken unterstützt den Flüssigkeitshaushalt des Körpers.
Tipp 5: Künstliche Tränen gezielt einsetzen
Benetzende Augentropfen können den natürlichen Tränenfilm ergänzen und sind besonders sinnvoll bei regelmäßigen Beschwerden mit trockenen Augen. Ein Tipp: Konservierungsmittelfreie Präparate sind bei häufiger Anwendung meist besser geeignet. Die Auswahl der Tropfen sollte sich immer nach Ursache und Schwere der Beschwerden richten, deshalb ist es sinnvoll, sich bei anhaltenden Symptomen augenärztlich beraten zu lassen.
Wenn mehr dahintersteckt: Das Sicca-Syndrom
Nicht jede Augentrockenheit entsteht ausschließlich durch Bildschirmarbeit. Es kann sich auch um das Krankheitsbild Trockenes Auge (Sicca-Syndrom) handeln. Mögliche Ursachen eines Sicca-Syndroms sind:
- Störung der Meibom-Drüsen (talgproduzierende Drüsen am Lidrand)
- Verminderte Tränenproduktion
- Entzündliche Veränderungen der Augenoberfläche
Eine augenärztliche Untersuchung kann die Ursache klären. Je nach Befund stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Wann sollte man zum Augenarzt?
Bekommen Sie Ihre trockenen Augen trotz umgesetzter Maßnahmen nicht in den Griff? Unter folgenden Umständen sollten Sie das Thema augenärztlich abklären lassen:
- Die Beschwerden bestehen über mehrere Wochen.
- Augentropfen bringen keine ausreichende Besserung, auch bei mindestens 5 Mal Tropfen am Tag.
- Es treten starke Schmerzen oder deutliche Rötung auf.
- Es kommt zu einer Sehverschlechterung.
- Die Beschwerden kommen immer wieder.
- Es besteht der Verdacht auf eine Erkrankung der Augenoberfläche oder der Lidränder.
Fazit: Kleine Veränderungen können die Augen spürbar entlasten
Bildschirmarbeit belastet den Tränenfilm stärker als viele Menschen vermuten. Bewusstes Blinzeln, regelmäßige Pausen und ein ergonomischer Arbeitsplatz können die Beschwerden deutlich reduzieren. Wenn trockene Augen trotz dieser Maßnahmen bestehen bleiben, sollte die Ursache immer augenärztlich abgeklärt werden. Denn eine frühzeitige Behandlung der trockenen Augen verbessert häufig die Lebensqualität und schützt die Augenoberfläche langfristig.